Schneespuren 3.6

Teil 3 Vor den goldenen Hallen

6. Eine Spur von Leben

Meinen Beinen wohnte eine bleierne Schwere inne, als ich mich auf dem Weg aus dem Krankenhaus hin zu Hosokawas Wagen machte. Verglichen mit dem kargen Flur in der Radiologie wirkten die in wohlig-warme Strahlen der Mittagssonne gehüllten Grünanlagen um das Gebäude herum nahezu surreal. Kaum vorstellbar, dass das Zwitschern der Vögel und das Rauschen des Windes in den Bäumen Teil der gleichen Realität waren, in der ein taffer Geschäftsmann wie Hosokawa aufgrund einer Panikattacke ein MRT abbrechen musste. Immer wieder hielt ich auf diesem sonnenbeschienenen Pflasterweg hin zum Parkplatz inne, hin- und hergerissen, ob ich nicht doch wieder zurückgehen sollte.

Der Moment, diese Entscheidung zu treffen, war längst vorüber und doch kam es mir vor, als wäre ich noch immer in diesem Dilemma gefangen. Als wäre es nicht zu spät, doch noch einmal umzukehren. Auch wenn Hosokawa dann möglicherweise toben würde, dass ich mich seinen Anweisungen widersetzt hatte. Das Hin und Her begleitete mich bis in seinem Wagen, in dem ich eine Weile einfach so dasaß und ziellos vor mich durch die Windschutzscheibe sah, ehe ich ihn schließlich in Bewegung setzte.

 

In der Agentur versuchte ich die anderen Mitarbeiter zu meiden, aus Angst, einzig an meinen Augen konnten sie ablesen, dass etwas nicht mit unserem Chef stimmte. Nicht noch einmal sollte ich ihnen eine schlechte Lüge auftischen, die ihr Misstrauen bloß weiter nährte. Zum Mittagessen zog ich trotz großen Hungers letztendlich bloß einen kleinen Snack aus einem der Automaten, den ich, nachdem ich auf leisen Sohlen zurück in mein Büro geeilt war, müde vor mich hinstarrend verzehrte.

Später am Nachmittag erhielt ich eine SMS von Aini, in der sie mir mitteilte, dass sie abends erneut auf einer Veranstaltung war und ich ohne sie zurück in ihre Wohnung fahren sollte. Als ich dort eintraf und den Lärm der Stadt hinter mir aussperrte, überkamen mich wieder die Gedanken an Hosokawa und die Frage danach, ob ich das Richtige getan hatte. Mit einem Anruf zuhause bei meinen Eltern versuchte ich die Sorgen daran zu verdrängen. Doch irgendwann gingen uns die Gesprächsthemen aus und ich war wieder mir selbst überlassen. Ausgerechnet an diesem Abend hätte Ainis Gesellschaft meinen Verstand beruhigen können, doch wenn sie beschäftigt war, konnte man nichts machen. Ich versuchte schließlich, die fehlende Gesellschaft mit Fernsehen zu kompensieren, doch beim entferntesten Schlagwort sprangen meine Gedanken wieder zurück zu Hosokawa und zu seinem Zustand. Und selbst beim Schlafengehen ließen mich die Sorgen darüber nicht los, bis ich trotz des großen Gedankenknotens in meinem Kopf und einer beunruhigenden Schwere in meinem Herzen in einen traumlosen, unruhigen Schlaf versank.

 

Plötzlich schreckte ich aus dem Schlaf auf; ein Geräusch hatte mich geweckt. Es war ein vertrautes, helles Klingeln. Vermutlich war es mal wieder ein Besteckteil, das meiner Schwester auf die Bodenfliesen im Küchenbereich gefallen war.

„Aini? Wie spät ist es?“, fragte ich und richtete mich von der Couch auf, spähte vor mir in die Dunkelheit. Ich erwartete, dass sie jeden Moment etwas sagen würde. Doch stattdessen trat eine unheimliche Stille ein.

„Wer ist da?“, fragte dann plötzlich eine fremde, männliche Stimme. Mit einem Mal sprang ich auf, schaltete das Licht ein. Vor mir im Küchenbereich stand ein Mann in nichts als einer Unterhose. Mit groß aufgerissenen Augen sah er mich an. Dann machte er einen Satz zurück.

„Scheiße! Wer bist du?“, rief er. Er war mittleren Alters und etwa einen Kopf kleiner als ich. Seine Schläfen und sein Bart waren bereits leicht meliert. Vom Typ her hatte er etwas von Hosokawa. Anhand seiner Aufmachung nahm ich an, dass er ein Gast meiner Schwester sein musste. Sie hatte nie einen Freund erwähnt. Andererseits ging mich das nichts an. Und doch hätte mir diese Information geholfen, wo ich doch nun einschätzen musste, ob ich das Hosokawa-Double in Unterhose vor mir wie einen Gast oder einen Eindringling behandeln sollte.

„Ich wohne hier“, sagte ich und rieb mir den Nacken. Der Anblick meines Gesichts schien ihm Angst zu bereiten – oder er glaubte, ich sei ein Nebenbuhler. Langsam ließ ich den Arm wieder sinken und beobachtete ihn aus verengten Augen.

„Das wusste ich nicht. Tut mir leid“, stammelte er, „Ich habe nichts mit ihr gemacht, ehrlich.“ Je länger ich ihn beobachtete, desto weniger Bestand hatte meine erste Assoziation zu Hosokawa. Wenn man ihn so erwischt hätte, wäre eine Bettgeschichte zu leugnen und dabei zu zittern wie ein junger Hund gewiss das Letzte gewesen, was er getan hätte.

„Ich bin ihr Bruder“, klärte ich den Fremden auf, ehe mir wieder einfiel, dass Aini nicht wollte, dass ich diese Information allzu großzügig teilte. „Und wer du bist und was du mit ihr machst, will ich nicht wissen“, setzte ich schnell hinterher und machte eine abtuende Geste.

„Ja, natürlich, ich wollte dich nicht belästigen.“

Ich bat ihn, sich mit dem zu beeilen, was er dort in dem Zimmer zu tun gedachte, sodass ich weiterschlafen könnte, woraufhin er wiederholt kleine Verbeugungen andeutete und sich erneut entschuldigte.

„Oh Mann. Sie hatte gar keinen Bruder erwähnt. Ich dachte, wir wären allein“, seufzte er, „seit wann bist du hier? Ach, ist auch egal. Ich wollte einen Kaffee trinken und dann los. Aber jetzt werde ich doch lieber ohne gleich losfahren.“

„Weck’ sie nicht, wenn du deine Sachen holst“, sagte ich ernst und streckte den Rücken durch, sodass ich demonstrativ von oben auf ihn heruntersehen konnte. Unter weiteren Verbeugungen schlich er endlich stumm aus dem Zimmer, ohne mich noch einmal anzusehen.

 

Als bald darauf die Wohnungstür leise ins Schloss fiel, löschte ich das Licht und legte mich wieder hin, bemüht, den ohnehin leichten Schlaf, aus dem ich aufgeschreckt war, fortzusetzen. Aini hätte Bescheid sagen können, dass sie nicht allein nach Hause kommen würde, selbst wenn sie natürlich nicht dazu verpflichtet war. Wo hatte sie diesen Typen bloß aufgegabelt? Mittlerweile kam es mir fast lächerlich vor, dass er mich zu Beginn an Hosokawa erinnert hatte. Beim Gedanken an meinen Chef kam mir bald wieder die Untersuchung in den Sinn und die Zweifel daran, dass ich das Richtige getan hatte, suchten mich wieder heim.

Wie hatte ich bloß in so einer Situation gehen können? Eigentlich hatte ich doch gespürt, dass ich das Falsche tat noch bevor ich mich dazu entschieden hatte, zu gehen. Ich hoffte, wo ich schon versagt hatte, wusste er zumindest, dass ich mit mir gekämpft hatte; wusste, dass sein Assistent kein herzloser Vollidiot war. Ich hatte bloß versucht, einzuschätzen, welche Handlung dem, was er wollte und brauchte, am nächsten kam.

Was, wenn er nicht wusste, dass mir die Entscheidung schwergefallen war? Ich wollte nicht, dass er ein falsches Bild von mir hatte, wollte nicht, dass er schlecht von mir dachte. Ohne weiter darüber nachzudenken, griff ich daraufhin nach meinem Handy. Ich wählte seine Nummer aus und machte mich ohne zu zögern daran, ihm eine klärende Nachricht zu schreiben:

 

Es tut mir leid, nicht geblieben zu sein. Ich hoffe, die Untersuchung lief zu Ihrer Zufriedenheit und Ihnen geht es jetzt gut. Bis morgen. P.A. 

 

Am nächsten Morgen verhielt sich meine Schwester ganz normal. Ich war mir nicht sicher, ob sie wusste, dass ich über ihren Besuch von letzter Nacht im Bilde war. Oder schwieg sie lediglich dazu? Ich brachte es für meinen Teil jedenfalls nicht über mich, etwas dazu zu sagen. Stattdessen beantwortete ich ihre fortwährende Frage danach, ob alles okay sei, mit einer weiteren, wenig überzeugenden Antwort. Bald darauf machten wir uns auf den Weg in die Agentur und das Schweigen, das im Auto herrschte, sodass Aini den Nachrichten im Radio lauschen konnte, schien noch schwerer als sonst zu sein.

 

Einzig nach Hosokawas Laune zu beurteilen, musste die Untersuchung zu einem positiven Ergebnis gekommen sein. Doch ich wusste, dass das fast unmöglich war. Vermutlich gelang es ihm einfach nur sehr gut, überzeugend zu lügen, und alles, was nicht in Ordnung war, hinter einer strahlenden, perfekten Fassade, gleich einer undurchdringbaren Rüstung, zu verbergen.

Die SMS von letzter Nacht erwähnte er mit keinem Wort, als er mir einen Stapel Unterlagen entgegenhielt und mich mit Anweisungen bombardierte.

„Ist alles in Ordnung, Chef?“, fragte ich kleinlaut, nachdem er seine Instruktionen beendet hatte. Anstatt auf die Frage einzugehen zog er mich auf, dass ich mal wieder in Ordnung gesagt hatte.

„Und auch das mit dem Vornamen kannst du dir scheinbar nicht angewöhnen“, seufzte er, ehe er schließlich das Thema wechselte. Ein zweiter Versuch, mich nach seinem Zustand zu erkundigen, ging mir nicht über die Lippen und so war der einzige Pfeil, den ich auf ihn abgefeuert hatte, an seiner perfekten Rüstung abgeprallt.

 

 

Auch den Rest des Tages verhielt sich Hosokawa, als wäre alles wie immer und als hätte es den letzten Tag gar nicht gegeben. Meiner Schwester hingegen ging ich aus dem Weg und verbrachte die Mittagspause allein. Nach der Einsamkeit und der Gegenwart solcher, die nicht hinter ihre Fassaden blicken ließen, sehnte ich mich nach der Geselligkeit leichter zugänglicher, unbekümmerterer Menschen. Also begab ich mich mit dem Vorwand irgendeiner Frage in das Büro von Aki und Kia, um ein bisschen zu plaudern.

 

Aki berichtete ausgiebig von einem Missgeschick mit der Yuccapalme in ihrem Büro. Sie hatte die Pflanze am Vortag versehentlich übergossen, sodass sie und Kia sie zu den Waschräumen tragen mussten, um das überflüssige Wasser abzuschütten. Als stummer Zuhörer ihres Berichts stand die von dieser Aktion leicht lädierte Yuccapalme nun wieder auf dem Sideboard neben einigen Peripheriegeräten. Vom Drucker kam ein kontinuierlicher, leiser Pfeifton, der sich gemeinsam mit dem Rauschen des Luftbefeuchters, der auf Akis Schreibtisch stand sowie den Lüftanlagen der beiden Rechner im Büro zu einer willkommenen, unruhigen Geräuschkulisse vermischte. Jeder Laut, der meine Gedanken vom Abdriften abbringen konnte, war mir recht.

„Oh, Yuki, was ich dich fragen wollte“, setzte Aki nach ihrem Bericht erneut an und begann hinter vorgehaltener Hand zu kichern. „Hast du dich eigentlich über die Tasse gefreut, die Hosokawa für dich besorgt hat?“

„Ach, die Tasse“, murmelte ich und errötete. „Ja, die ist süß. Er hat erwähnt, dass du ihm geholfen hast, den passenden Laden zu finden. Vielen Dank dafür, das war sehr freundlich.“

„Um ehrlich zu sein, habe ich die Sachen für ihn besorgt. Er hat so lieb gefragt und mir sein charmantestes Lächeln geschenkt, da konnte ich nicht nein sagen. Dabei musste ich dafür durch die Mittagsonne und habe riskiert, braun zu werden.“

„Sag mal, stimmt es, dass du morgen mit Hosokawa und Kayama auf ein Event bei R&W gehst?“, fragte Kia ihrerseits nun.

Auf meine Bestätigung erntete ich ein Raunen der beiden Frauen. Wie sich herausstellte, hegten beide ein reges Interesse an Ken Satou, dessen Eskapaden sowie Details zu seinem Privatleben sie regelmäßig der Regenbogenpresse entnahmen. Sie waren der Ansicht, dass dem jungen Designer (er war mittlerweile 31, womit ich mit meiner Einschätzung neulich richtig lag) der frühe Erfolg zu Kopf gestiegen sei. Mit einem divenhaften Verhalten und einer provokativen Art in Interviews und öffentlichen Statements hatte er laut Aki und Kia einen Ruf als exzentrisches Enfant terrible zurecht erhalten.

„Manche sagen, das sei der europäische Einfluss, der bekommt ihm wohl nicht“, mutmaßte Aki. „Er lebt und arbeitet überwiegend in Paris und entzieht sich so der direkten Einflussnahme des Labels. R&W hat ihm das wohl nur zähneknirschend durchgehen lassen, weil er innerhalb kürzester Zeit zum Aushängeschild der Marke geworden und mittlerweile unverzichtbar ist. Sie müssen ihn und sein Team regelmäßig einfliegen lassen – außerdem hat er selbst noch privates Personal, das er jedes Mal mitnimmt. Er soll zwei Assistenten allein nur für seinen Hund beschäftigen. Und statt sich an all dem Luxus und all den Exklusivrechten zu freuen, hat er im letzten Jahr öffentlich den Gedanken geäußert, das Label möglicherweise bald zu verlassen. So dreist muss man erst mal sein, seine Vertragsverhandlungen auf so eine Art in die Öffentlichkeit zu tragen! Wer weiß, was er durch diesen Druck noch an weiteren, exklusiven Benefits eingestrichen hat, um nicht abzuspringen. Als Geschäftsmann scheint er durchtrieben und knallhart zu sein.“

„Na ja, letzteres sagt man auch über unseren Chef“, warf Kia ein. „Man hört doch auch allerlei Geschichten über ihn. Ich meine, sieh dir zum Beispiel mal an, was er mit Tsugawa gemacht hat. So charmant er als Mann sein kann und so cool er auch als Chef ist: Zum Feind hätte ich ihn nicht gern.“

Die beiden Frauen verstummten plötzlich, so, als wäre ihnen bewusst geworden, dass sie mit dem persönlichen Assistenten des Mannes sprachen, über den sie zu tratschen begonnen hatten. Sogleich relativierten sie ihre Aussage wieder, wohl aus Sorge, ich hätte sie falsch verstehen können oder wäre sogleich damit zu unserem Chef gelaufen. Am liebsten hätte ich genauer nachgehakt, was die Andeutung über Tsugawa zu bedeuten hatte. Doch nachdem sie durch ihr Gerede über Hosokawa vor mir in Verlegenheit geraten waren, schien es unmöglich, sie zum Weiterreden zu animieren. Stattdessen schwenkten sie das Gespräch noch einmal auf die Geschichte mit der Yuccapalme und machten ihrem Ärger Luft, dass Fukada sich nach anfänglichen Hilfsangeboten (die sie ihrem Ton nach zu urteilen aus Stolz oder Verlegenheit ausgeschlagen hatten) ungeniert über sie beide amüsiert hatte, als sie die Pflanze quer durch den Flur balancierten und immer wieder innehalten mussten, um sich die Haare oder Kleider zu richten.

 

***

 

Der nächste Tag stand ganz im Zeichen des Flagship-Store-Events von R&W. Ich erwachte nach einer nahezu schlaflosen Nacht mit Kopfschmerzen und einer unbestimmten Übelkeit im Magen. Wieder einmal Ainis Frage danach, ob alles mit mir in Ordnung sei. Dieses Mal konnte ich zumindest wahrheitsgemäß sagen, dass mein offensichtliches Unbehagen von der Nervosität wegen des Events kam.

Erneut machte sie ihre Abneigung gegenüber dem Stardesigner des Labels deutlich. Ihre Meinung fußte auf den selben unliebsamen Wesenszügen, von denen ich tags zuvor bereits durch Aki und Kia gehört hatte.

„Er hat in seiner Zeit als Chefdesigner R&Ws Markenwert mehr als verdoppelt“, sagte sie. „Dafür hat er Ryuzaki Watanabe, dem Geschäftsführer von R&W immer viel Ärger gemacht. Er ist in der kurzen Zeit, in der er sich mit Satou herumschlagen musste, bis aufs letzte Haar ergraut. Selbst, wenn es zufällig damit zusammenfiel, sieht es aus, als hätte sein Designer einen Teil zu seinem schlechten Zustand beigetragen. Ein besonders tollkühner Interviewer hat Satou mal dazu befragt, woraufhin dieser eiskalt erwiderte: ‚Manche Leute arbeiten besser unter Stress und ich bin bereit, Herrn Watanabe dabei ein wenig unter die Arme zu greifen.‘“

Als ich nicht gleich etwas darauf sagte, hakte Aini nach. Ich sagte, dass ich nicht wisse, was ich davon halten sollte. „Was, wenn es so ist, wie er sagt, und sein Verhalten seinem Chef gelegen kommt?“

„Oh nein“, sagte Aini mit bedauerndem Tonfall, „wenn du so denkst, ist es für dich schon zu spät.“ Sie sah mir wohl an, dass ich nicht verstand, was sie meinte. „Unser Chef hat dich scheinbar schon mit seinem durchtriebenen Verhalten abgestumpft und deine Objektivität im Hinblick auf normales Handeln für immer ruiniert“, setzte sie hinterher. Ich wunderte mich, ob sie vergessen hatte, mit wem sie redete. Immerhin war ich alles andere als normal, was hätte ich da also von normalem Handeln wissen sollen?

„Warum tun alle so, als wäre Hosokawa eine berechnende, hinterlistige Manipulationsmaschine? Kann ihn denn niemand leiden?“, fragte ich.

„Doch, sehr sogar.“

„Wie soll das zusammenpassen?“

„Wichtig ist nicht, wie oft er nett oder liebenswürdig ist, sondern, was er getan hat, dass wir – seine Models und seine handerlesenen Mitarbeiter – zu dem wurden, was wir heute sind.“

„Ich weiß nicht, was das bedeuten soll.“

„Schon gut, das gilt vermutlich eh nicht für dich, selbst wenn du ja irgendwie auch zur letzteren Gruppe zählst. Und dennoch ist bei dir ja alles anders. Er hat dich schließlich nicht deinetwegen ausgesucht, sondern, weil er irgendjemanden braucht, den er für seine Zwecke so formen kann, wie es ihm passt, egal, was das für dich bedeutet. Verwunderlich ist dabei bloß, dass er dich jetzt zu diesem Event mitschleppt. Was ihm das wohl bringen mag?“

Ich wusste die Antwort darauf, doch wollte ich nicht zugeben, dass es bloß deswegen war, weil ich in den Augen meines Chefs unterhaltsam aussah und als besonders kuriose Dekoration dienen sollte. Irgendwie hätte ich dabei befürchtet, das könnte ein schlechtes Licht auf Hosokawa werfen und aus irgendeinem Grund wollte ich nicht, dass das passierte. Der Mann hinter der Maske des MAJ-Chefs, der, der sich mit einer Krankheit herumplagte und während Untersuchungen Panikattacken erlitt, sollte davon verschont bleiben, dass ich durch die Enthüllung seiner Motive den Eindruck erweckte, dass diese tatsächlich so oberflächlich und banal seien. Als wäre es real, sobald ich es ausgesprochen hatte und solange ich es nicht sagte, gab es immer noch die Hoffnung, dass das, was ich für ihn war und tat, einen tieferen Sinn hatte als eine groteske, unterhaltsame Fassade.

 

„Bereit für heute Abend?“, fragte Hosokawa, als ich sein Büro betrat, dann erst sah er von seinem Computerbildschirm auf und zog die Brauen zusammen. „Offenbar nicht. Bist du aufgeregt?“

„Ein wenig.“

„Mach dir keine allzu großen Sorgen wegen des Events. Du sollst einfach nur gut aussehen. Das Reden übernehmen sowieso Kayama und ich. Bevor es losgeht, solltest du unserem hausinternen Stylingteam einen Besuch abstatten für den letzten Schliff. Auf der Veranstaltung wird die Presse anwesend sein und sie alle sollen sehen, wie gut du aussiehst – sofern du es überhaupt tust. Du trägst schon so lange den Mundschutz, da habe ich ehrlich gesagt vergessen, wie du aussiehst.“

„Danach wollte ich noch fragen. Muss ich den Mundschutz auch auf dem Event heute Abend tragen oder soll ich ihn ausziehen?“

„Ausziehen natürlich“, sagte Hosokawa, „wie gesagt, du sollst gut sichtbar sein. Und davon abgesehen: Warum fragst du mich, ob du den Mundschutz tragen musst? Ich habe dir bereits vor einer Ewigkeit gesagt, dass du ihn gar nicht tragen brauchst. Dass du es immer noch tust, ist deine Entscheidung.“

Erst war ich erstaunt, doch als ich mich zurückerinnerte, wurde mir klar, dass er recht hatte. Gleich am zweiten Tag hatte er die Pflicht, den Mundschutz zu tragen, bereits wieder aufgehoben. Ich fühlte mich einen kurzen Moment, als sei ich ein Gefangener, der bloß irrtümlich annahm, die Tür, die sein Verlies von der Außenwelt abschirmte, sei verschlossen. In Wirklichkeit stand es mir jederzeit frei, es durch die offenen Pforten zu verlassen.

„Dann ziehe ich ihn aus“, sagte ich.

„Klar.“

„Jetzt gleich?“

„Nur zu.“

Mit unsicheren Handgriffen befreite ich mein Gesicht von dem Mundschutz, den ich seit meinem ersten Tag außer zum Essen immer in den Räumen der Agentur getragen hatte. Es war so ungewohnt ohne ihn, dass ich mich nahezu nackt fühlte, als ich ihn in die Hosentasche steckte und meinem Chef zum ersten Mal seit dem Morgen meines ersten Arbeitstages unvermummt entgegensah. Er erwiderte meinen Blick einen Moment, dann setzte er sein typisches, verschmitztes Lächeln auf.

„Ich hatte ganz vergessen, dass du ein Lippenpiercing trägst“, sagte er.

„Den Mundschutz jetzt auszuziehen, kam etwas plötzlich, sonst hätte ich es vorher rausgenommen. Für später entferne ich es natürlich.“

„Spinnst du? Lass es drin, Gütiger, sonst sieht dein Gesicht noch Babyface-mäßiger aus als ohnehin schon“, sagte Hosokawa und lachte. „Entschuldige, dass ich lache, aber dieses junge Gesicht passt überhaupt nicht zu deinen mütterlichen Wesenszügen.“

„Mütterlich?“, fragte ich perplex und spürte, wie meine Wangen begannen, sich zu erwärmen. Nun, wo ich den Mundschutz nicht trug, würde er sehen, dass ich verlegen war. Ich kam mir so schutzlos vor. „Wenn es schon sein muss, wäre mir wohl väterlich lieber gewesen“, sagte ich bemüht-scherzhaft und versuchte, zu lächeln, um die Verlegenheit zu überspielen.

„Ich habe dir doch längst gesagt, dass ich ohne Vater aufgewachsen bin. Was weiß ich da schon von Väterlichkeit? Außerdem war das nicht besonders ernst gemeint“, sagte Hosokawa und lachte wieder.

 

Nachdem ich die letzte Anprobe des Anzugs bei Frau Hatori Minagawa überstanden hatte und zurück in die Agentur gekommen war, begab ich mich in die fünfte Etage. Dort gab es für Testshootings einen hauseigenen Fotografen sowie ein kleines Stylingteam, in dessen Obhut ich mich Hosokawas Aufforderung folgend begab.

Eri, eine Stylistin mit neonfarbigen Accessoires und aufgehellten, hochtoupierten Haaren, kümmerte sich um mich. Obwohl sonst junge Modelanwärter und neue Models der Agentur hier gestylt wurden, um Testbilder und Fotos für Portfolios zu machen, wirkte Eri überraschend erwartungsfroh über die Aussicht darauf, nun mich zu stylen.

Ich hatte mich zunächst von ihrer Begeisterung mit einer gewissen Portion Aufregung anstecken lassen. Doch dann entpuppte sich die Prozedur des Stylings als überraschend angenehm und entspannend. Beim Frisieren streiften ihre Fingerspitzen mit den kleinen, neonpinken Nägeln sanft meine Kopfhaut. Mit jeder Berührung durch ihre geschickten Hände fiel die Nervosität, die mich bisher den ganzen Tag verfolgt hatte, nach und nach von mir ab. Auch die Pflege meines Gesichts mit kleinen, verfeinernden Schwämmchen und weichen, mattierenden Pinseln fühlte sich wohltuend zart an. Eris behutsamer Umgang mit meinem Haar und Gesicht gab mir einen Eindruck davon, dass sie sonst mit Models arbeitete, die so schön und damit so kostbar waren, dass sie keine andere Behandlung verdienten. Ich kam mir vor, als wäre ich wie durch irgendeine Verwechslung, einen Fehler, überhaupt in den kurzen Genuss dieser Behandlung gekommen, die sonst für die Models vorgesehen war. Und so gut sie sich auch anfühlte, so bitter war es zugleich auch, zu spüren, dass diese Art von Berührungen meinem Körper eigentlich fremd war. Ich hatte mehr Erfahrungen mit Herabwürdigungen und Misshandlungen gesammelt als mit Fürsorge. Man hatte mich so oft verletzt und zu zerstören versucht, bis es irgendwann zu meiner Realität geworden war, mich schlecht zu fühlen. Diese Wahrheit war so unumstößlich in mir verankert, dass ich mir zuvor nie die Frage gestellt hatte, ob mein Körper all das möglicherweise gar nicht verdient hatte. Ob er nicht vielleicht trotz der kuriosen Fassade, die man entweder kaputtmachen oder wie eine Zirkusattraktion herumzeigen wollte, ebenso wie die Körper der Models – wie vielleicht jeder andere menschliche Körper – eigentlich für zarte, liebevolle Berührungen gemacht war.

 

Wir fuhren mit dem Taxi zum R&W-Flagshipstore. Kayama nahm gemeinsam mit Hosokawa auf der Rückbank platz, während ich den Beifahrersitz neben dem Fahrer einnahm. Kayama war kaum wiederzuerkennen, was er wiederum auch von mir sagte. Frau Hatori Minagawa und Eri hatten aus ihm mit dem eleganten, weinroten Jackett mit den zarten Stickereien, den gebändigten, zurückgegelten Haaren und dem ebenmäßigen, strahlenden Teint einen neuen Mann gemacht. Auch Hosokawa trug nun einen festlicheren schwarzen Anzug und übertraf damit sogar sein im Agenturalltag bereits perfekt gestyltes Ich an Attraktivität und professionellem Charme. Als wir im Taxi saßen, bereit, das Event zu besuchen, war es mir fast, als verspüre ich statt Nervosität einen Anflug von Vorfreute.

Doch dann erinnerte ich mich wieder daran, dass wir die Mission hatten, Ken Satou dazu zu bringen, MAJ-Models für seine anstehende Fashion-Show zu buchen. Nach allem, was ich bisher von ihm gehört hatte, hatte ich Sorge, dass unser Plan nicht reibungslos verlaufen würde.

Kayama schien es ähnlich zu gehen, denn er bemerkte seufzend, dass es ein schöner Abend werden könnte, wenn wir uns doch bloß von dem Stardesigner fernhalten könnten.

„Bist du ihm bereits zuvor begegnet?“, fragte Hosokawa, was Kayama verdutzt verneinte. „Dann ist das doch eine gute Gelegenheit, dir dein eigenes Urteil über ihn zu bilden.“

„Dabei würde es mir jedoch helfen, dein Urteil über ihn zu kennen. Wie lautet es also?“, konterte Kayama zu meinem Erstaunen überraschend schlagfertig, woraufhin Hosokawa schnaubte und einen kleinen Vortrag darüber hielt, dass Pferdemist zwar stank, sich jedoch als perfekter Dünger für Rosen eignete. Es dauerte ein paar Minuten, bis Kayamas glucksendes Lachen daraufhin endgültig verstummte.

Nach einer Weile, in denen die beiden Manager hinter mir schwiegen, erhob Kayama wieder die Stimme, bloß um zu bemerken, dass ich derjenige sei, der ausgesprochen ruhig war.

„Ich frage mich gerade, worüber man bei so einer Veranstaltung redet?“, fragte ich daraufhin bemüht heiter, obwohl längst wieder die Anspannung von mir Besitz ergriffen hatte. Die Frage ging mir tatsächlich durch den Kopf, doch hatte ich sie zuvor nicht über die Lippen gebracht, um die Stille nicht zu durchbrechen.

„Ach, dies und das, Smalltalk halt. Du schaffst das schon“, antwortete Hosokawa daraufhin lapidar. Doch anstatt es dabei zu belassen, setzte er erneut an und fuhr nun plötzlich mit ruhiger Stimme fort, die wie eine Vertonung der Berührung meiner Kopfhaut durch Eris sanfte Fingerspitzen hätte sein können, wie sie durch mein Haar fuhren. Vielleicht hatte er von der Verunsicherung Notiz genommen, die mich mehr und mehr umgab wie eine kalte, feuchte Wolke, hatte vielleicht gesehen, wie ich meine Finger fest ineinander verknotet hatte, um ihr Zittern zu unterbinden, das mit jedem Meter, den wir uns der Veranstaltung näherten, stärker wurde. „Mach dir keine Sorgen. Ich sehe keinen Grund, anzunehmen, dass du das nicht schaffen könntest“, sagte er. „Du bist einer der Menschen, mit denen ich jeden Tag die meiste Zeit verbringe und fühle mich dabei nie in schlechter Gesellschaft. Und das sage ich als jemand, der sehr wählerisch mit Menschen ist.“

„Kesshou, du solltest jetzt besser geschmeichelt sein. So etwas aus dem Mund unseres Chefs ist etwas wie ein Ritterschlag – oder eine Liebeserklärung“, lachte Kayama.

„Das solltest du ihm unbedingt glauben, da wir gute Freunde sind und er schon viele Liebeserklärungen aus meinem Mund mitangehört hat“, sagte Hosokawa gleichgültig, woraufhin Kayama ernst wurde und sich leise entschuldigte.

Ohne darauf einzugehen, wandte sich Hosokawa noch einmal an mich. Ich wandte mein Gesicht hingegen zum Beifahrerfenster um, sodass er von der Rückbank nicht meine erröteten Wangen sehen konnte. „Yuki, versuch, auf der Veranstaltung ganz entspannt zu sein und stress dich nicht zu sehr. Sei einfach da, sei freundlich und lass dich in meiner Nähe sehen, sodass niemand bemerkt, dass etwas nicht mit mir stimmt. Den Rest übernehmen wir.“

Als er das sagte wandte ich mich doch kurz zu ihm um und sah in seine Augen, in denen einen Moment lang eine sanfte Wärme aufzuglimmen schien. Ermutigend nickte Hosokawa mir zu. Ich erwiderte das Nicken, dann wandte ich mich wieder ab, sah nun geradeaus durch die Windschutzscheibe. Ich löste die verkrampften Finger in meinem Schoß und legte die Hände locker auf den Oberschenkeln ab.

Mit einem Mal war ich ganz ruhig und gefasst. Die Wolke aus Sorgen und Nervosität, die mich umgeben hatte, war fort. Ich fühlte mich plötzlich so klar und wach wie noch nie zuvor.

Endlich hatte ich Yuichi Hosokawa verstanden.

Das war also der Grund hinter allem. Der Grund, warum ich sein Assistent war, warum ich neulich ohne erkennbaren Grund zum Meeting mit dem Management geschickt wurde und jetzt neben Yuichi und Kayama auf dem Weg zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten unserer Branche war, die als spitzzüngig und scharfsinnig galt.

Ich sah besonders aus, ja. So besonders, dass die, die mich erblickten und mir ihre Aufmerksamkeit schenkten, hoffentlich nicht bemerken würden, dass der Mann, für den ich arbeitete, schwer krank war. Er wollte nicht, dass jemand es sah. Deswegen fuhr ich ihn zu unangenehmen Arztterminen, deswegen rief er mich mitten in der Nacht an, als er überfallen worden war – er rief mich, um von niemand anderen gesehen zu werden. Denn ich war ein Niemand für ihn – ein Niemand, der besonders aussah – womit ich geradezu perfekt für diesen Job war. Womöglich war ich sogar der einzige, der ihn so erledigen konnte.

Seine Krankheit verborgen zu halten war wohl auch der Grund, warum er mich beliebig einsetzte, ohne die Aufgaben irgendwie zu differenzieren und gleichzeitig ungehalten und zornig wurde, wenn ich von mir aus aufmerksam war, wenn es sein leibliches Wohl betraf, und der Grund, warum er mir auf Fragen zu seinem Befinden nicht antwortete. Denn auch er selbst wollte möglicherweise nicht sehen, dass er aufgrund seiner Krankheit zunehmend hilfebedürftig war, es sei denn, er befahl es.

Nachdem ich das begriffen hatte, fühlte ich mich, als brach etwas in mir auf, das zuvor verschlossen gewesen war – oder verschlossen schien. Als hätten seine Worte eine Brücke geschlagen zu einem Teil meiner Seele, meines Wesens, zu dem ich vorher keinen Zugang hatte. Zum ersten Mal in meinem Leben schien ich eine sichere Gewissheit in mir zu spüren, dass es zu etwas gut war, dass es mich gab. Das, was er an jenem Abend in dem Taxi zu mir gesagt hatte, schien wie ein Schlüssel zu einer unerschöpflichen Quelle in mir, die alles, was schlecht und vernichtend von innen und außen auf mich einwirkte, in Luft auflösen konnte. Später erst verstand ich, dass seine Worte mir nicht bloß kurzfristig Mut machten, sondern dass ich von ihnen regelrecht gebrandmarkt worden war. Wie all die traurigen Spuren auf meiner Haut, die für immer von dunklen Stunden in meinem Leben erzählen werden, hatte er einen Abdruck auf meiner Seele hinterlassen, doch dieses Mal war keine Spur von Zerstörung, sondern von Leben. Später würde ich verstehen, dass ich diesen blühenden Ort, zu dem ich durch seine Worte gefunden hatte, immer wieder besuchen können würde. Dass ich jederzeit in der Lage sein würde, in dieses Immergrün zurückzukehren, in dem ich seine Worte von jenem Tag erneut hören konnte, immer dann, wenn ich vergaß, dass es nichts Schlechtes daran gab, dass ich war wie ich war und nicht anders.

 

One Comment

  1. mjeera

    ***Autorenkommentar***

    Willkommen zurück! Es hat mit diesem Kapitel etwas gedauert, weil ich mir Zeit nehmen wollte, um mein Schreibhandwerk etwas zu verbessern (dazu fand ich die YT-Videos von Ellen Brock sehr nützlich, schaut mal: https://www.youtube.com/user/KeytopServices). Dabei habe ich versucht, die Szenen zu optimieren (das hieß, dass ich auch so manches streichen musste ☹) und den Druck für mich rausgenommen, zu bestimmten Zeiten ein bestimmtes Maß an Story zu erfüllen, sondern ganz back to the roots erstmal aus Spaß am Schreiben zu Schreiben. Ich mag hier nicht zu weit ins Detail gehen mit der Analyse, dazu mache ich vielleicht mal einen Blogeintrag oder so etwas. Jetzt hoffe ich einfach, dass ihr mit dem Ergebnis happy seid.

    Mit diesem Kapitel endet zwar noch nicht der dritte Teil (mein Gott, Teil 3 ist so lang!), aber es geht hiermit quasi der erste grooooße Handlungsbogen zu Ende, der dazu geführt hat, dass in Yuki ein Funke an Zuversicht und Selbstvertrauen entfacht wurde. Außerdem hat er sich im Laufe der letzten Kapitel nach und nach zu einem echten Sympathisanten seines Chefs gewandelt. Es war ein langer Weg bis hier und nach dem Schreiben des letzten Satzes dieses Kapitels dachte ich ‚hier hätte die Geschichte (wenn ich mich kurzfassen und das Ende nicht schon feststünde und außerdem der Titel von Teil 3 noch nicht klar ist und und) sogar fast enden können‘, aber wer mich kennt, der weiß, dass ich mich niemals kurzfasse (seht euch diesen Autorenkommentar an!). Na ja, wäre hier das Ende gewesen, dann wäre dies hier der perfekte Soundtrack zum Ausklang:

    Evergreen von Pekoe: https://www.youtube.com/watch?v=lTjBbMVDKjI

    Ich lege euch sehr ans Herz, mal reinzuhören, denn er ist a) sehr schön und b) hat mich der Song zu dem Bild des grünen, lebhaften Quells, als den Yuki die neu gefundene Selbstakzeptanz beschreibt, inspiriert. Ich habe ihn irgendwo zwischen Draft 2 und 3 dieses Kapitels gehört und fand, dass dieses Bild gut auf das passt, was Yuki im letzten Abschnitt gefunden zu haben glaubt. Zunächst war die Beschreibung eher abstrakt, ich fand der Lebhafte Aspekt kommt so aber besser rüber und außerdem konnte ich diesen Ort in seiner Seele nach dem Hören des Lieds sowieso nicht mehr anders sehen.

    Und wer sich fragt, ob Ken Satou hier überhaupt jeeemals persönlich in Erscheinung tritt: Ja! In Kapitel 3.7 ist es so weit. 3.7 ist quasi fertig, noch ein bisschen editieren, dann liefere ich das gleich hinterher (ich peil mal das Wochenende an). Ich freue mich, ihn euch vorzustellen, denn er symbolisiert einen Wendepunkt in meinem Denken zu der Story. Nachdem Yu und Yui (wie Yuki und Yuichi in all meinen internen Notizdokumenten heißen) häufig unter sich bleiben, weil es ihr Alltag kaum anders erlaubt und das beim Schreiben (und gewiss auch beim Lesen) manchmal etwas frustrierend war, habe ich mir vorgenommen, die Geschichte nicht nur für TTG-Veteranen zu schreiben, sondern auch für ein neues Publikum (euch gibt’s ja zu meiner unendlichen Freude auch <3). Anstatt zu überlegen, wo ich euch welchen TTG-Chara präsentiere, dachte ich irgendwann: F#ck it, ich mache hieraus jetzt ein eigenständiges Ding mit eigenständigen Charas. Und dann habe ich überlegt, was der Story guttun würde, dass sie nicht unter all den Referenzen und ‚muss-so‘-Momenten erstickt. Und als erstes fiel mir ein, dass ich besser schreiben muss. Und als zweites steigt dann der … äh… Plot-Dünger (Referenz-Sternchen!) Herr Satou in den Ring. Jetzt aber genug gespammt, ich kann mich wirklich nicht kurzfassen. Eigentlich wollte ich nur sagen: Vieeelen Dank fürs treue mitlesen! Und watch out for more!!

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